„Das betrifft uns.“

Über Verantwortung und Dokumente

„Dann bin ich deine erste Kundin.“

Diesen Satz meiner Mutter höre ich bis heute.
Wir saßen in ihrer Küche. Sonntag, Kaffee, irgendwo zwischen Kinderlärm und Alltagsgesprächen. Ich erzählte ihr, dass ich meinen sicheren, gut bezahlten Job kündigen würde. Mit Mitte vierzig. Um ein Unternehmen zu gründen.

Sie lächelte. Sagte diesen einen Satz. Und dann wechselte das Thema.

Damals wusste ich nicht, ob das einfach mütterliche Loyalität war – oder ob sie tatsächlich verstanden hatte, worum es mir ging.

Heute weiß ich: Sie hatte es verstanden.

Wenn Verantwortung größer wird

Ich habe die Idee zu Teulu nicht aus einem Innovations-Workshop heraus entwickelt. Sie ist im Alltag entstanden. In Gesprächen. In Situationen, in denen ich gemerkt habe, wie fragil unsere private Organisation eigentlich ist.

Wir leben in einer Zeit, in der eine ganze Generation in Rente geht – die Babyboomer. Eine Generation, die Vermögen aufgebaut hat wie keine zuvor. Immobilien, Versicherungen, Wertpapierdepots, Beteiligungen. In den kommenden 10 Jahren werden in Deutschland Vermögenswerte von über 4 Billionen EUR übertragen.

Aber Vermögen bedeutet vor allem eines: Dokumente. Verträge. Vollmachten. Regelungen. Zuständigkeiten.

Gleichzeitig ist unsere Welt formaler geworden.
Ein 18. Geburtstag reicht – und Eltern erhalten ohne Vollmacht im Krankenhaus keine Auskunft mehr zum Zustand ihres Kindes. Keine Entscheidungen im Notfall.

Und während Inhalte komplexer geworden sind, ist auch die Form komplexer geworden. Früher lagen diese Dinge in einem Ordner. Oder in mehreren. Heute liegen sie überall.

Im E-Mail-Postfach.
In einem Versicherungsportal.
Hinter einem Bank-Login.
Als PDF auf dem alten Laptop.
Als Scan mit dem Namen „Dokument_final_v3_neu.pdf“.
Oder eben doch noch in einem Leitz-Ordner im Keller.

Die Wahrheit ist: Es betrifft fast jede Familie.
Und es ist umfangreicher, als man denkt.

Der bequemste Gegner

Als wir anfingen, mit Menschen über das Thema Vorsorge und Organisation zu sprechen, hörten wir immer wieder denselben Satz:

„Ja, das müsste ich eigentlich mal machen.“

Fast niemand bestreitet, dass es wichtig ist.
Aber fast jeder empfindet es als groß.

Und genau hier liegt der eigentliche Gegner.

Nicht Papier.
Nicht Wettbewerber.
Nicht Technologie.

Unser größter bzw. der bequemste Gegner heißt: Abwarten.

Das Thema ist wichtig – aber selten dringend.
Und alles, was wichtig, aber nicht dringend ist, verschieben wir gerne.

Bis es dringend wird.

Meist ist der Auslöser für dringend auch noch eine emotionale Ausnahmesituation und genau in dieser fehlen dann die Informationen, die man bräuchte.

Vom Papierordner zur digitalen Unordnung

Der klassische Ordner war nie perfekt. Aber er hatte einen Vorteil: Er war konkret. Greifbar. Physisch.

Heute haben viele Menschen etwas, das sich moderner anfühlt – Cloud-Speicher. Ordnerstrukturen. Digitale Ablagen.

Aber ein Cloud-Ordner ist letztlich nur ein digitaler Schuhkarton.
Er speichert Dateien. Er versteht sie nicht.

Wenn zwei Geschwister von unterschiedlichen Orten auf die Dokumente ihre Eltern zugreifen um am Telefon Hilfestellung zu geben, funktioniert ein Papierordner nicht. Wenn ein Dokument abläuft, verschickt der Papierordner keine Erinnerung. Wenn man wissen möchte, welche Versicherungen eigentlich existieren – muss man selbst suchen.

Und selbst wenn Unterlagen bei Banken, Stromanbietern oder Versicherern digital hinterlegt sind. Existieren sie isoliert. In Datensilos.

Sie sprechen nicht miteinander.
Sie ergeben kein Gesamtbild.

Genau hier entstand unsere eigentliche Idee.

Was Ordnung wirklich schafft

Gemeinsam mit meinem Freund Ingo sprach ich jahrelang über eine Frage:

Was wäre, wenn Dokumente nicht nur abgelegt, sondern ihr Inhalt verstanden würde?

Was wäre, wenn aus Dateien strukturierte Daten würden?
Wenn Informationen nicht nur gespeichert, sondern verknüpft wären?

Wir wollten keinen weiteren Speicher bauen.
Wir wollten einen digitalen Lebensmittelpunkt schaffen.

Und genau das ist Teulu geworden: einen Ort, an dem

  • persönliche Daten strukturiert hinterlegt sind,
  • Versicherungen, Vollmachten und Vorsorgedokumente erfasst sind,
  • Vertrauenspersonen klar definiert sind,
  • und Informationen auffindbar bleiben – auch wenn man selbst gerade nicht handlungsfähig ist.

Wir haben die Lebensbereiche systematisch in Module gegliedert – von persönlichen Daten über Gesundheit, Pflege, Finanzen, Mobilität bis Immobilien. Nicht, weil Menschen gerne Kategorien anlegen. Sondern weil Struktur Überforderung reduziert.

Man beginnt nicht mit „Alles“.
Man beginnt mit einem Dokument.

Und dann mit dem nächsten.

Worum es wirklich geht

Im Laufe der Entwicklung kristallisierten sich zwei Motive heraus, die uns bis heute begleiten:

„Ich möchte vorbereitet sein, ohne täglich daran denken zu müssen.“

Und:

„Ich möchte helfen können, ohne alles selbst verwalten zu müssen.“

Dahinter steckt etwas Größeres.

Eltern möchten ihre Lebensleistung nicht als Belastung hinterlassen.
Kinder möchten helfen können – ohne im Chaos zu versinken.

Partner möchten wissen, was der andere geregelt hat.

Es geht nicht nur um Vorsorgedokumente.
Es geht um digitale Selbstbestimmung.

Ordnung entsteht nicht durch Druck

Eine Nutzerin erzählte uns, dass ihre Kinder im Ausland leben.
Der Ordner mit den wichtigen Unterlagen lag seit Jahren unvollständig im Schrank. „Die sind ja eh nicht hier“, sagte sie.

Mit Teulu waren die Unterlagen plötzlich gemeinsam einsehbar.
Die Ausrede war weg.

Und mit ihr das Aufschieben.

Ein anderer Nutzer beschrieb, wie er mit seiner Mutter zum ersten Mal offen über Patientenverfügung und Vollmachten gesprochen hat – nicht aus Panik, sondern aus der Teulu Struktur heraus.

Wieder jemand anderes begann, nach Jahren des Aufschiebens, endlich Ordnung in seine Versicherungen zu bringen – nicht an einem Wochenende, sondern Schritt für Schritt.

Das ist vielleicht der wichtigste Punkt:
Ordnung entsteht nicht durch Druck. Sondern durch Machbarkeit.

Nicht alles gehört ins Geschäftsmodell

In den letzten Jahren hat sich unser Verhältnis zu digitalen Diensten verändert.

Lange Zeit war Bequemlichkeit das entscheidende Kriterium. Ein Dienst funktionierte – also nutzte man ihn. Viele Angebote waren kostenlos, intuitiv, sofort verfügbar.

Gleichzeitig entstand ein Geschäftsmodell, das wir alle kennen: Bezahlt wird nicht mit Geld, sondern mit Daten.

Für viele Anwendungsfälle ist das akzeptabel.
Für persönliche Dokumente ist es das aus unserer Sicht nicht.

Verträge, Gesundheitsinformationen, Vermögenswerte, Vollmachten – diese Daten bilden die strukturelle Grundlage eines Lebens. Sie sind nicht nur sensibel, sie sind elementar.

Mit dem Aufkommen leistungsfähiger KI-Systeme werden Daten noch wichtiger und deren Auswertung und Verknüpfung noch einfacher. Gleichzeitig wird öffentlich stärker diskutiert, wo Daten gespeichert sind, welchen Rechtsräumen sie unterliegen und wer potenziell Zugriff darauf erhalten kann.

Wir haben uns deshalb bewusst entschieden:
Teulu ist ein kostenpflichtiger Dienst.
Nicht, weil wir Exklusivität schaffen wollen. Sondern weil wir ein ökonomisches
Fundament gewählt haben, das die Datenhoheit konsequent beim Kunden belässt.

Daten werden nicht vermarktet.
Sie werden nicht zu Trainingszwecken genutzt.
KI-gestützte Auswertungen für den Nutzer erfolgen nur mit expliziter Zustimmung.

Nicht aus Misstrauen gegenüber Technologie.
Sondern aus Respekt vor der Tragweite dieser Daten.

Die größere Vision

Wenn man das System weiterdenkt, entsteht etwas, das über Dokumentenorganisation hinausgeht.

Heute beginnen wir mit den grundlegenden Unterlagen – Ausweise, Vollmachten, Versicherungen, Immobilien, Verträge. Dinge, die man selten braucht, aber im entscheidenden Moment sofort finden muss.

Doch mit der Zeit wächst daraus ein strukturierter Überblick über das eigene Leben. Transaktionale Dokumente kommen hinzu – Stromabrechnungen, Gehaltsnachweise, medizinische Berichte, Steuerunterlagen. Nicht als lose Dateien, sondern als verknüpfte Informationen.

Wenn Daten strukturiert vorliegen, entsteht Kontext. Entwicklungen werden sichtbar. Veränderungen nachvollziehbar. Zusammenhänge erklärbar.

Man kann nachvollziehen, wie sich Ausgaben über Jahre entwickeln. Welche Verträge wann angepasst wurden. Welche Versicherungen tatsächlich bestehen. Welche Dokumente fehlen.

Entscheidungen werden nicht mehr aus dem Bauch heraus getroffen – sondern auf Basis dessen, was ohnehin vorhanden ist.

Man spricht mit seinen Dokumenten – und sie antworten.

Nicht als Spielerei.
Sondern als intelligente Digitalisierung des eigenen Lebens.

Zwischen zwei Generationen

Das Wort „Teulu“ stammt aus dem Walisischen und bedeutet: Familie, Haushalt oder Sippe.

Familie heißt: Verantwortung teilen.
Informationen zugänglich machen.
Übergänge vorbereiten.

Unsere Zielgruppe sind nicht nur Digital Natives.
Sie sind selbst Eltern und zugleich Kinder älter werdender Eltern. Menschen zwischen 45 und 60, die Verantwortung in beide Richtungen tragen – nach oben und nach unten.

Wer heute Ordnung schafft, schafft Entlastung für andere.
Und für sich selbst.

Der Schritt

Am 03.07.2024 nach vielen Gesprächen, Berechnungen und schlaflosen Nächten haben wir gegründet.
Nicht, weil es sicher war.
Sondern, weil es sich sinnvoll anfühlte.

Seit 2025 ist Teulu am Markt.
Nicht jeder versteht unseren Schritt. Das ist in Ordnung.

Aber meine Mutter war tatsächlich unsere erste Kundin.

Und vielleicht war ihr Satz damals weniger Unterstützung – und mehr ein leiser Hinweis:

„Das betrifft uns.“

Dich auch?